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Fotografie
Repros vom Bild und Dia – Physik muss sein
Wie viele Bits müssen ins Bild?
Die Physik lehrt uns, dass das Leica-/Kleinbildformat mit 24 mm x 36 mm (864 mm2) 3516 Bildpunkte (Pixel) x 5270 Bildpunkte, also 18.529320 Bildpunkte (18,5 MP: Mega Pixel), allerdings ohne die für das Digitalisieren später notwendigen Farbeninformationen aufweist.
Meist wurde von unseren Vätern und deren Vätern allerdings nicht im Kleinbildformat, sondern im Mittelformat mit 60-mm-x-60-mm-Rollfilm (Agfa Isolette, Bilora Boy, Rolleicord und Rolleiflex) oder im annähernden Großformat von 60 mm x 90 mm (z. B. Agfa Box) fotografiert, denn das Kleinbildformat wurde erst nach dem zweiten Weltkrieg in der Welt populär und das auch nur, weil das Diapositiv mit der Projektion – quasi Kino zuhause – ihm dazu verhalf.
Zwischen dem ersten und zweiten Weltkrieg wurde das Kleinbildformat maßgeblich durch Oskar Barnacks Leica-Entwicklung „salonfähig“ gemacht. Ich nenne es deshalb „salonfähig“, weil die „Photografie“, so wie man sie damals schrieb, eine Freizeitbeschäftigung der Privilegierten war. Die Leica war von da an bei sämtlichen Reportagen in aller Welt nicht mehr wegzudenken. Daher ist auch der Begriff Leica-Format abgeleitet.
Ein Kaiser Reprostativ ist eine sehr gute Investition. Dazu benötigt man beim Dia-Reproduzieren und -Digitalisieren ein Leuchtpult. Eine Vorrichtung, die es ermöglicht die Vorlagen schnell und unverrückbar zu fixieren, ist eine wichtige Vorraussetzung für das Arbeiten mit Präzision (Wiederkehrgenauigkeit). Wer handwerkliche Fähigkeiten besitzt und über die nötigen Werkzeuge verfügt, kann sich einen Vergrößerungsrahmen dementsprechend vorbereiten. Foto: René Füllmann
Das Mittelformat ist in der Qualität nur durch das Großformat zu überbieten
Beim Mittelformat 60 mm x 60 mm oder 60 mm x 70 mm ergeben sich logischerweise 77.264100 Bildpunkte (77 MP) ohne die für das Digitalisieren später notwendigen Farbeninformationen.
Quellenangabe: Leica M9, technische Daten sowie http://www.photoscala.de/Artikel/Wie-viele-Megapixel-hat-ein-Film Aus den Berechnungen ergibt sich für die Kleinbildaufnahme eine DPI(Dots Per Inch, engl. Punkte pro Inch)-Dichte von etwa 4000 (24 mm : 25,4 [1,0 inch = 25,4 mm]= 0,945; 3516 : 0,945 = 3720; 5270 : 0,945 = 5576,72).
Repros mit der Kamera schießen
Zum Kamera-Repro benötigt man einen stabilen Tisch, dazu möglichst ein Reprostativ mit einem präzis geführten Kameraschlitten mit Untersetzung, an dem sich die Kamera für eine Aufnahme im 1:1-Vollformat bequem herauf- und herunterfahren (-kurbeln) lässt, ein Makro-Objektiv und eine Kamera, die einmal einen möglichst großen Sensor (24 x 36 mm2) sowie auch ein großes Grundformat durch die Aufnahme erzeugt (z. B. 24 x 36 cm2) und viele Pixel pro Zoll (300 dpi = 118,11 Punkte pro cm oder 1181,10 Punkte pro mm) ablichten kann.
Hier spielt also die Sensor-(CCD-)Lichtstärke nicht die primäre Rolle, denn je mehr Pixel pro Zoll abgebildet werden können, desto weniger Licht kann in die einzelnen sehr kleinen einzelnen Aufnahmepunkte des Gesamtsensors fallen, d. h. hier sind unter Umständen nur ISO-Werte von max. 1600 ASA möglich, sonst wird Aufnahmerauschen als Körnung auf der dargestellten Digitalisierung sichtbar.
Abgebildet sehen Sie die Leica M9, Leitz Visoflex III (Leica-M-Bajonett) mit Prismensucher, Novoflex-Balgen, Novoflex-Adapter vom Schraub-Außengewinde – der Adapter adaptiert das Außengewinde des Balgens mit seinem Innengewinde auf das Leica-Bajonett-M (ist in jedem guten Foto-Fachgeschäft und auch von Novoflex direkt lieferbar) – sowie als Objektiv das Leica Summarit-M 1:2,5/90mm. Natürlich können auch längere Brennweiten verwendet werden. Foto: René Füllmann
Und daher ist das Bit-Sparen völlig fehl am Platz
Dass es irgendwann – die Forschung und Entwicklung schreitet stetig voran – einmal bessere Monitoren und Drucker geben wird, steht absolut fest. Also können sie heute nicht das Maß der Dinge sein, sondern man muss sich das Grund-Aufnahmeformat des Films und Fotos zum Anlass für die Digitalisierung nehmen.
Die Aufnahmevorlage muss plan aufliegen
Hierzu gesellt sich noch ein ganz wichtiger Faktor: Die Vorlage muss absolut plan liegen. Fotos kann man in einen verstellbaren Vergrößerungs-Klapprahmen legen. Allerdings geht bei diesem Verfahren ein schmaler Rand an allen vier Seiten der Vorlage verloren.
Ich behelfe mir mit Klebefilmstreifen, die ich zum Endlosstreifen rolle, also jeweils deren beide Enden zusammenfüge und unter sämtliche Ecken der Vorlage klebe und diese an die Unterlage andrücke.
Dias sind entweder im Papp- oder Kunststoff-Rahmen- oder als reiner Film vorhanden. Auch hier muss kontrolliert werden, ob der Film plan liegt oder sich im Papprähmchen wölbt.
Sollten sich die hässlichen Newtonringe bemerkbar machen, muss sogar der Rahmen geöffnet werden.
Ich schrieb Ihnen zuvor von einem Vergrößerungs-Klapprahmen. Ich habe für die verschiedenen Dia-Formate mit der Dekupiersäge Schlitze in die Film-Auflage des Vergrößerungs-Klapprahmen gesägt, durch die das Licht des Dia-Leuchtpults durch das Dia in die Linse des Kamera-Objektivs fallen kann.
Film-, Foto- oder Flachblett-Scanner im Vergleich zur digitalen Reprokamera
Was die Dauer, also den eigentlichen „Aufnahmevorgang“, anbelangt, ist die Kamera eindeutig im Vorteil.
Was die Vorbereitungen bis zum Aufnahmevorgang anbelangt, macht den Scanner im Vergleich zur Kamera zum Favoriten, denn hier ist nur die Glasscheibe optisch einwandfrei sauber zu halten.
Beim Scanner kann es also sofort losgehen.
Was bei der Kamera meistens unter einer Sekunde für die Aufnahme benötigt, dauert beim Scanner unter Umständen bis zu zehn Minuten und länger, abhängig davon wie hoch der DPI-Wert (die Auflösung) und die Farbtiefe (Bit pro Farben und Komponenten) sind.
Gute Beispiele hierfür sind meine beiden Kameras. Die Nikon D3 ermöglicht maximale ISO-Werte von 12600 ASA mit einem Vollformatsensor (24 x 36 mm2) von etwas über 12 MP (4256 x 2832 Bildpunkten), während bei der Leica M9 mit ebenfalls einem Vollformatsensor und 18 MP (gleiche Bildpunkteanzahl wie beim Leica- oder Kleinbildformat!) bei 1600 ASA das Bildrauschen in Form des gröberen Korns sichtbar wird.
Dafür allerdings kann man mit der M9 in diesem Bereich die Bilder wesentlich künstlerischer gestalten, was zu meinem Ausspruch führte:
„Erst wenn der Fotograf imstande ist, seine Bilder mit der Kamera zu malen, darf er den Aufstieg zum Künstler wagen.“
Repros mit dem Scanner
Beim Scanner sind die DPIs und das Grundformat sehr wichtige Größen. Auch bei Schwarz-Weiß-Foto-Vorlagen sollte man die „Farbe“ beibehalten, denn so lassen sich später Sepia-Effekte – z. B. künstliche Altertumseinfärbungen – immer noch realisieren.
Und auch hier gilt: Je mehr Bits desto besser – also 48 Bit sind erste Wahl bei der farbigen Vorlage. Die Zeiten wo 64 KB Arbeitsspeicher (RAM) und Diskettenlaufwerke von 190 KB der Standard im PC-Geschehen waren, und der Rechner sofort „stillstand“, wenn ihm eine größere Anzahl an Bits zugemutet wurde, gehören der Vergangenheit an.
Nochmal DPI – daran müssen Sie beim Scannen immer denken
Die Nikon D3 „erzeugt“ im Aufnahme-Endformat Large, Bilder mit 300 DPI bei einem Format von 36 cm x 24 cm.
Geht Ihnen da ein Licht auf? –
Nicht? –
Also das entspricht beim Vollformatsensor der D3 einem Anfangsformat von 36 mm x 24 mm und 3000 DPI.
Wenn Sie also das Bild auf das Grundformat 36 mm x 24 mm verkleinern, sollten Sie in jedem Fall den DPI-Wert auf 3000 am Scanner wählen.
Mehr sollte nicht drin sein.
Wenn Sie dagegen den DPI-Wert beim Verkleinern bei 300 DPI belassen, und Sie wollen dieses Bild später wieder auf 36 cm x 24 cm aufziehen, d. h. Sie verzehnfachen also dann das Format und ziehen somit die Bildpunkte in sämtliche Richtungen auseinander, dann haben Sie sich durch diese „Unterlassungssünde“ ein richtiges Augenpulver produziert.
Die Leica M9 „macht“ Bilder im Format von 55,16 cm x 36,7 cm bei 240 Pixel pro Zoll (DPI) – alles klar?
Wie viele Bits pro Komponente und was „sagt“ die Software?
Die Leica-M9-Aufnahme „beansprucht“ als DNG-Raw-File 36 433 920 MB. Wenn Sie es nach TIFF direkt ohne Veränderungen, also mit 8,0 Bit pro Komponente, mit Adobe Photoshop Elements 6.0 umwandeln, entsteht ein 54 258 576 MB großes File. Wandeln Sie das Leica-M9-Ursprungs-Raw-DNG-File mit 16 Bit pro Komponente nach TIF, wird das File 108 484 216 MB groß.
Diese Bit-Ansammlung ist auch die erstrebenswerte Digitalisierungsgröße
Blicken Sie bei einem professionellen Anbieter im Abschnitt Dateiformat in dessen Tabelle, dann werden Sie feststellen, dort wird auf 130 MB selbstverständlich professionell gescannt und zum Speichern wird ein Medium angeboten, das 100 Jahre halten soll.
Also, warum machen Sie es nicht auch so?
Zurück zum 16-Bit-/Komponente-108-MB-File: Öffnen Sie allerdings diese Datei mit Adobe Photoshop Elements 6, werden Sie feststellen, dass viele Möglichkeiten der Bildbearbeitungen nicht mehr möglich sind. Auch kann Adobe Photoshop Elements 6 kein .NEF (Nikon Electronic File) öffnen oder bearbeiten. Dagegen gibt es mit Adobe Lightroom 3.3, Camera Raw 6.3 hier keine Probleme, wobei es mit Adobe Lightroom mehr Sinn macht, Bilder gleich im Raw-Modus in eine zweite Raw-Datei umzukopieren.
Die zweite erzeugte Datei wird dann bearbeitet und danach möglichst mit einem Verweis auf die unbearbeitete Ursprungsdatei abgespeichert. Dann wird nochmals dupliziert. Es entsteht die Sparversion“ für Freunde und Bekannte in einem „gängigem“ Format.
http://de.wikipedia.org/wiki/JPEG ist auch eine gute Möglichkeit sich zu belesen, wenn man einen etwas „tieferen“ Einblick in diese Materie genießen möchte.
Formate, „Herkunft“ – Scannen mit „Background“
Während bei der Reprofotografie das Format der Kamera als bestimmendes Element Voraussetzung ist, und es somit entweder einen Beschnitt, einen Überhang oder sogar ein Herausvergrößern wichtiger Bildelemente geben kann, sind beim Scannen fast „alle Tore offen“ .
Deshalb nur fast, weil der Scanner im Vollautomatischen-, Standard- oder Professionellem Modus an Software-Vorgaben „gebunden“ ist.
Die Palette der Auflösungen erstreckt sich von 50 DPI bis 12800 DPI, macht allerdings nur Sinn, wenn die Vorlage das „auch bringt“.
Büttenrand im Format 60 mm x 90 mm und auf der Rückseite als „Agfa-Papier“ bezeichnet, doch nicht durch Anglizismen-Zusätze wie „Quality Paper“ erkennbar, sind klar dem kleinsten Großformat zuzuordnen, beispielsweise der Agfa Box im Film-Grund-Format 60 mm x 90 mm.
Sie rechnen schon? Vorsicht! Nicht immer ist die „Filmebene“ die Messlatte aller Wissenschaften. Die Box war im Grunde eine Camera-Obscura, eine große und eine kleine Blende ein Gelbfilter – alles das an einem Metallschieber.
Wird fortgesetzt – Illustrationen (keine „Albibi-Briefmarken“) werden folgen.
Das Licht ist eine absolut primäre Grundbedingung
Das Kniffligste beim Reprofotografieren ist jedoch das Licht.
Die beste Lichtquelle ist ein bedeckter Himmel, denn hier fällt kein direktes, also gebündeltes Licht auf die Aufnahmefläche. Es entstehen also bei Abdeckungen vor dem Licht keine Schatten danach. Und es handelt sich, bezogen auf die Farbentemperatur, um absolutes Tageslicht.
Um Spiegelungen, Schatten oder direkten Lichteinfall „auszumachen“, also zu erkennen, oder Hell-Dunkel-Unterschiede schon vor der Aufnahme zu sehen, braucht man einen sehr hellen und klaren Sucher. Einem guten Autofocus in Verbindung mit einem Spiegelreflexsystem, bei dem auch das Wählen der Arbeitsblende mit gleichzeitiger Abbildung der Schärfentiefe möglich ist, ist in jedem Fall der Vorzug zu geben, damit sich von Anfang an die Schärfentiefe auch kontrollieren lässt, denn bei Tele- oder Makro-Objektiven ist der Schärfentiefe-Bereich sehr klein, was ein Arbeiten mit kleinen Blendenöffnungen (großen Blendenzahlen, 1:16 und mehr) erfordert.
Beim Reprofotografieren in geschlossenen Räumen ist ein indirektes, diffuses nicht zu kräftiges Kunstlicht das Beste.
Foto Petzold in Niederbayerns feiner Hauptstadt Landshut mit meinem Fotofachberater Karl Welzmiller rät zum Licht eines Dia-Leuchtpults.
Vor der eigentlichen Aufnahme sollte jedoch mit einem weißen DIN-A4- oder DIN-A3-Papierstück erst einmal bezüglich der Farbtemperatureinstellung experimentiert werden und diese „Weiß-Serie“ mit dem Fotobearbeitungsprogramm am Monitor und unter Zuhilfenahme des Aufnahmemusters kontrolliert werden. Auch ein anschließender Ausdruck kann hierfür dienlich sein. Erst dann kann die „weißeste“ Einstellung beibehalten werden.
Nur da, wo Licht sein soll, muss auch Licht vorhanden sein und sonst nirgends. Sonst enstehen durch das vorhandene zusätzliche Seitenstreulicht gröbere Unschärfen auch bei der größten Blendenzahl (z. B. Blende 16). Befindet sich ein unterbelichtetes Dia, Thema: Negerboxkampf nachts in Cape-Town, und die Blende wird ganz geöffnet (kleine Blendenzahl, z. B. 2,5), lässt sich mehr oder weniger von der Mitte aus, der Lichthof erkennen. Auch wenn dieser bei hellen Dias nicht sichtbar wird, erzeugt er mit seinem Streulicht im Objektiv Unschärfen. Foto: René Füllmann
Dias digitalisieren – ohne Lichthof – selbst erprobt und hier berichtet
Liegt das Dia oder auch der Film plan auf dem Lichtpult oder auch im Klapprahmen – gerahmt oder ungerahmt ist jetzt nicht das Kriterium – gelangt Licht von allen Seiten zusätzlich ins Objektiv. Davor kann auch die Sonnenblende nicht schützen, die ja die Reflexionen von der Seite ausschließen soll. Durch diese geballte Lichtflutung entsteht ein sogenannter Lichthof, der sich am besten bei dunklen Vorlagen im Spiegelreflex-Sucher (bei Leica-M das Visoflex-System) erkennen lässt. Dieser Lichthof verursacht im Objektiv Unschärfen.
Um diesen Lichthof zu vermeiden, muss die Filmvorlage komplett lichtdicht nach allen Seiten abgedeckt sein.
Dias digitalisieren – von welcher Seite – und selbstverständlich wie immer, warum?
Die beschichtete Seite, also die Seite die erhaben ist, kommt nach hinten.
Und was ist hinten?
Hinten ist die hellere Seite des Rahmens. Die hellere Seite des Rahmens kommt deshalb nach hinten, weil von hinten das Licht der heißen Projektslampe in das Dia strahlt. Allerdings ist der Temperaturunterschied zwischen grau und weiß nicht allzu gravierend, doch heller ist hinten.
Und beim Papprähmchen, beispielsweise von Kodak, wie ist es da?
Da gilt der erste Satz dieses Absatzes der sagt: „Die beschichtete Seite, also die Seite die erhaben ist, kommt nach hinten.“
Und wie kommen die Dias – von welcher Seite – und selbstverständlich wie immer, warum – in den Projektor?
Die helle Seite des Rahmens kommt nach hinten, die erhabene Seite des Film ebenfalls. Und dann wird das Dia nur um 180 ° gedreht, d. h. auf den Kopf gestellt. Das ist alles.
FUNKSIGNAL-REDAKTION
Robert-René Füllmann