WWW.FUNKSIGNAL.DE


Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü


1. September 1999 – Notruf aus dem Mittelmeer

Amateur-Funkdienst > Retter in der Not, Teil 3A, 3B



1. September 1999 –
Notruf aus dem Mittelmeer



Für die Motoryacht
Nostalgia sind die guten Ohren eines Funkamateurs aus Esslingen bei Stuttgart die letzte Rettung. Nach einem Sturm stehen der Besatzung nur noch ein Amateurfunk-KW-Transceiver und eine kleine Antenne zur Verfügung, um einen Notruf abzusetzen. Notrufe auf VHF (Very High Frequency: ~UKW-Seefunk) und Leuchtraketen bleiben ohne Echo.

Dass es kein Scherz ist, erkennt Georg Intzoglou, DL4SV, an der Stimme. Der Mann, der den internationalen Notruf "Mayday, Mayday" benutzt, um Georgs Aufmerksamkeit zu erregen, ist unüberhörbar überaus aufgeregt.
Sein Signal: sehr schwach. Fast täglich trifft sich abends zu später Stunde auf der Frequenz 14,285 MHz eine kleine Runde von Funkamateuren, um ihre Heimatsprache Griechisch zu sprechen. So auch in dieser Nacht vom 26. auf den 27. Juli, als der gebürtige Grieche Georg den Notruf an seiner Station in seinem Haus in Esslingen bei Stuttgart empfängt. Seine Funkpartner aus Kanada, Chile und Australien können den Notruf nicht aufnehmen. Georg muss seine Freunde um Funkstille bitten. Der Notruf wird von dem deutschen Funkamateur Klaus Bethge, DL8OL, abgesetzt, der mit der gecharterten Motoryacht „Nostalgia“ in Höhe der italienischen Stadt Messina im Mittelmeer in Seenot geraten ist.
Der Kurzwellentransceiver (Transceiver, engl. Sende-Empfänger) und die provisorisch aufgebaute Antenne sind für die Besatzung des Schiffs die einzige Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen.
„Bei einem Sturm, schon Tage zuvor, waren die Schiffsfunkantenne abgebrochen und der Motor ausgefallen. Die Versuche, auf VHF und mit Notraketen auf sich aufmerksam zu machen, schlugen fehl. Wir treiben direkt auf die Felsenküste zu", hört Georg die entsetzte Stimme von Klaus, nachdem er ihm gesagt hatte, dass sie deutsch sprechen können.
Die Bedingungen, unter denen die Verbindung besteht, sind sehr schlecht. Mehrere Versuche sind notwendig, um das Call (engl. Rufzeichen) und die Koordinaten der Motoryacht zu übermitteln. Als Georg die Koordinaten bestätigt vorliegen hat, handelt er sofort. Jetzt ist keine Zeit mehr zu verlieren. Er ruft die Polizei in Esslingen an und schildert den Fall.
Die Beamtin am Telefon schluckt. Ein Unglück 1750 km von Esslingen entfernt hat bestimmt noch niemand bei ihr gemeldet. Kurz darauf wird Georg von der Polizei zurückgerufen, damit man seine Angaben prüfen kann. Während Georg wieder in sein Shack (engl. Funkraum) geht, um die Verbindung zu der Yacht zu halten, informiert die Polizei das Lagezentrum des Baden-Württembergischen Innenministeriums in Stuttgart, die die Suchleitstelle der Bundeswehr in Münster um Hilfe bittet. Diese wiederum schildert die Situation der italienischen Küstenwache.
Georg übermittelt die Erfolgsmeldung ins Mittelmeer, aber dort ist man noch skeptisch. Erst als die Lichter zweier Boote zu sehen sind, ist der Jubel auch in Esslingen zu empfangen. Über Funk hört Georg, wie einer seinem Funkpartner Klaus zuruft: „Da kommen zwei Boote auf uns zu!" Danach ist erst einmal Funkstille. Auf der Yacht ist die Freude groß, Klaus und die restliche Besatzung der Yacht sind gerettet!
Nach einiger Zeit ruft Georg noch ein paar Mal die Yacht. Als Klaus sich meldet, ist seine Freude, dass alles glatt gegangen ist, unüberhörbar, und er verspricht: „Wenn ich wieder in Deutschland bin, schicke ich Dir meine QSL-(Funkgespräch-Bestätigungs-)Karte!"

Quelle: DARC e. V., CQ DL 9/99
http://www.darc.de/
Bildnachweis: BlueSun Yacht & Holidays
http://www.adriayacht.de/index.php?lang=de&page=luxus_detail&id=9&mode=sunset
Funksignal-Redaktion: Robert René Füllmann, DL2XP




Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü